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Erfurt hautnah - Geschichte trifft Kunst

Was erzählen ein gotischer Dom, prächtige Bürgerhäuser, eine mittelalterliche Brücke und ein alter Klostermauerrest über die Menschen, die vor Jahrhunderten in Erfurt lebten?

Dieser Frage gingen die Schülerinnen und Schüler der 7. Klassen des Thüringischen Rhön-Gymnasiums Kaltensundheim bei einer besonderen Stadtführung auf den Grund.

Statt Geschichte und Kunstgeschichte nur im Klassenraum zu betrachten, machten sie sich gemeinsam mit ihren Lehrkräften auf den Weg durch die Erfurter Altstadt. Wo sonst könnte man mittelalterliche Geschichte und Kunst so unmittelbar erleben? Zwischen Domplatz, Krämerbrücke, Alten Synagoge, Fischmarkt und Augustinerkloster wurde die Stadt selbst zum Unterrichtsraum und historische Bauwerke wurden zu anschaulichen Zeugnissen vergangener Zeiten.

Geplant wurde die Exkursion von den Kunstlehrerinnen Frau Ullrich und Frau Walch. Gemeinsam mit den Geschichtslehrkräften Frau Blum, Herrn Auffenberg und Herrn Bott führten sie die Schülerinnen und Schüler durch die Erfurter Geschichte und Kunstgeschichte.

Dabei stand ein besonderer Gedanke im Mittelpunkt: Geschichte und Kunst sind eng miteinander verbunden. Historische Gebäude sind nicht nur Schauplätze vergangener Ereignisse, sondern zugleich Kunstwerke und Quellen, die etwas über die Menschen, ihre Vorstellungen, ihren Glauben und ihre gesellschaftlichen Verhältnisse erzählen.

Vom Domplatz aus führte der Weg zunächst zum imposanten Erfurter Dom und zur Severikirche. Hier konnten die Schülerinnen und Schüler unmittelbar nachvollziehen, wie sich mittelalterliche Architektur entwickelte. Merkmale der Romanik und Gotik wurden nicht nur theoretisch besprochen, sondern konnten direkt am Bauwerk entdeckt werden. Gleichzeitig wurde deutlich, welche Bedeutung Kirchen im Mittelalter für Religion, Politik und das gesellschaftliche Leben hatten.

Auch am Petersberg wurde die Verbindung von Geschichte und Architektur sichtbar. Die Schülerinnen und Schüler erfuhren, wie sich die Funktion und damit auch das Erscheinungsbild dieses Ortes über Jahrhunderte veränderten – von der mittelalterlichen Kaiserpfalz über das Kloster bis zur mächtigen barocken Zitadelle.

Am Fischmarkt konnten die Schülerinnen und Schüler anschließend erleben, wie sich der wirtschaftliche Aufstieg Erfurts in der Architektur widerspiegelte. Prächtige Bürgerhäuser zeugen vom Wohlstand der Kaufleute und vom wachsenden Selbstbewusstsein der Stadt. Das Rathaus wurde dabei zum anschaulichen Beispiel für den politischen Anspruch der Bürgerschaft und ihren Kampf um städtische Selbstverwaltung.

Ein Höhepunkt war natürlich die Krämerbrücke. Ihre historische Bebauung vermittelt bis heute einen Eindruck davon, wie eng Handel, Wohnen und Arbeiten in der mittelalterlichen Stadt miteinander verbunden waren.

Doch auch die dunkleren Seiten der Geschichte wurden nicht ausgespart. An der Alten Synagoge, der Mikwe und dem Erfurter Schatz setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit der Geschichte der jüdischen Gemeinde auseinander. Die erhaltenen Bauwerke und Fundstücke wurden dabei als historische und zugleich kunst- und kulturgeschichtliche Quellen betrachtet. Sie geben Einblicke in das Leben der Menschen und machen Geschichte konkret und sichtbar.

Ein ganz anderer Zusammenhang zwischen Wirtschaft, Geschichte und Kultur wurde am Thema Waid deutlich. Die „Goldpflanze Thüringens“ machte Erfurt im Mittelalter reich und prägte Handel und Stadtentwicklung. Damit wurde sichtbar, wie wirtschaftliche Entwicklungen wiederum gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen beeinflussen können.

Zum Abschluss führten die Spuren zu den Prediger- und Barfüßerkirchen sowie zum Augustinerkloster. Architektur, Religion und Persönlichkeiten wie Meister Eckhart und Martin Luther verbanden hier erneut kunsthistorische und historische Fragestellungen.

Die Schülerinnen und Schüler lernten, dass ein Gebäude mehr sein kann als nur ein Gebäude. Es kann Kunstwerk, historische Quelle und Zeugnis seiner Zeit zugleich sein.

So wurde aus einem Unterrichtstag außerhalb des Klassenzimmers eine spannende Zeitreise durch Erfurt und aus Geschichte und Kunst ein gemeinsames Lernerlebnis, bei dem sich beide Fächer gegenseitig ergänzten und neue Perspektiven eröffneten.

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